Sehschwächen bei Kindern und Kleinstkindern erkennen

Etwa ein Fünftel aller Minderjährigen leiden heutzutage an einer Sehschwäche – eine Masse, die immer weiter zunimmt. Mittlerweile sind fast zwei Drittel aller Deutschen Erwachsenen betroffen, ebenfalls mit einer immer weiter steigenden Tendenz. Während wir allerdings selbst einschätzen können, wann etwas mit unserer Sicht nicht stimmt, sind unsere Kinder darauf angewiesen, dass wir als Eltern früh- und rechtzeitig erkennen, ob etwas mit ihren Augen nicht so ist, wie es sein sollte. Und das ist etwas, das manchmal gar nicht so einfach ist. Vor allem dann, wenn man nicht weiß, worauf genau man achten sollte.

Warum ist eine Sehschwäche bei Kindern so gravierend?

Nicht ordentlich sehen zu können ist eine Barriere, die den Alltag schwieriger gestaltet, als er sein könnte. Zumindest bei uns Erwachsenen. Bei Kindern hängt allerdings wesentlich mehr davon ab, dass sie ihre Umwelt problemfrei wahrnehmen können. Eine Sehbeeinträchtigung sorgt nämlich dafür, dass unter Umständen starke Entwicklungsdefizite und Schäden auftreten, die sich auf alle Bereiche des alltäglichen Lebens ausweiten. Aber: werden Sehbeeinträchtigungen rechtzeitig erkannt, können einige sogar vollständig korrigiert werden! Grundvoraussetzung ist dafür nur, dass sie frühzeitig genug benannt und behandelt werden.

Alle Bereiche, in denen sich Kinder entwickeln, sind miteinander verknüpft und in einer gegenseitigen Symbiose und Abhängigkeit. Was bedeutet, dass sobald ein Bereich hinterherhängt, andere Bereiche ebenfalls Gefahr laufen, zum Stillstand kommen. Die drei großen Sinne Hören, Tasten und Sehen bilden dabei für viele weitere komplexe Bereiche und Strukturen das Fundament und sind besonders wichtig. Denn: Kinder lernen mithilfe vom genauen Beobachten und Nachahmen ihrer Umwelt und der Mangel einer barrierefreien Kommunikation der Sinnesorgane mit unserem Gehirn ist eine Grundvoraussetzung. Fehlt diese, fallen uns plötzlich das Ausbleiben und der Mangel an neuen Lernfortschritten auf. Überall. Eine Kettenreaktion.

Vor allem die Augen sind bereits wenige Wochen nach der Geburt extrem wichtig. Ab einem Alter von etwa 12 Wochen wird das räumliche Sehen entwickelt und nach einem Jahr ist dann bereits 50 % der totalen Sehschärfe erreicht. Zu diesem Zeitpunkt können übrigens auch bereits Brillen verschrieben werden. Ab dann verlangsamt die Entwicklung zwar etwas, so dass mit etwa neun Jahren die Augen vollständig ausgeprägt sind – hier kann sogar problemfrei auf Kontaktlinsen gewechselt werden –, aber es verdeutlicht, wie wichtig die reibungslose Operation dieses Organ für uns tatsächlich ist.

Wie kann man als Elternteil erkennen, ob eine Sehschwäche vorliegt?

Der gravierende Unterschied zu uns als Erwachsenen liegt darin, dass Kinder schlichtweg nicht wissen, ob etwas mit ihren Augen nicht stimmt. Wir können wahrnehmen und kommunizieren, ob wir bei uns eine Sehbeeinträchtigung vermuten. Kindern, vor allem jüngeren, fehlt diese Einsicht und sie sind so darauf angewiesen, dass wir bestimmte Symptomatiken schnellstmöglich erkennen, um den Kinder- oder Augenarzt aufsuchen zu können – denn auch wenn wir regelmäßig alle U-Untersuchungen besuchen, können Dinge unbeobachtet bleiben.

Es gibt einige Bereiche, die offensichtlicher sind als andere. Physische Merkmale können beispielsweise abnormale Augenbewegungen wie Zittern (Nystagmus) oder unkoordinierte Bewegungen sein, Schielen, häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen, aber auch übermäßiger Tränenfluss. Ebenso, wie eine Empfindlichkeit auf helles Licht. Da außerdem die räumliche Wahrnehmung beeinträchtigt ist, können auch häufiges Stolpern und Fallen die Folge sein. Und das ergibt Sinn! Je schlechter unsere Sicht ist, umso weniger sicher navigieren wir uns durch unsere Welt.

Etwas weniger augenscheinlich sind Dinge wie mangelndes Interesse an visuellen Reizen. Kinder mit Sehschwäche sind oft desinteressiert an visuellen Aktivitäten wie Bilderbüchern, Fernsehen oder Malangeboten. Es kommt häufig auch zu einer Verzögerung in der Sprachentwicklung, da das Beobachten der Gestik, Mimik und Lippenbewegungen unseres Gegenübers drastisch zu unserer Sprachempfindung beitragen. Bei älteren Kindern können dann auch ähnliche Symptome wie bei uns Erwachsenen erkannt werden – wie beispielsweise Lese-Rechtschreibschwäche, mangelnde Konzentration und der Hang zu Kopfschmerzen.

Sollte Ihr Kind eines oder mehrere diese Symptome aufweisen, zögern Sie nicht schnellstmöglich einen Augenarzt aufzusuchen. Vorsicht ist immer besser als Nachsicht. Gehen Sie auf Nummer sicher und haben im Bestfall eine gesunde Diagnose und im Ernstfall den größtmöglichen Spielraum zur Korrektur.

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